Spass Kosmonauten

Man darf nicht warten bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird!

Frank

Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf …”.

Schrieb der große Kinderbuchautor, Humorist und Zeitkritiker Erich Kästner in einer Rede zum 25. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nazis.

Betrachtet man die aktuelle Lage rund um den NSA-Abhörskandal
und dass dem Whistleblower Edward Snowden wegen des Publikmachens desselbigen bereits Landesverrat vorgeworfen wird, könnte man meinen, dass zumindest in den USA der Schneeball schon zu beachtlicher Größe angewachsen ist.

Aufgrund unserer Geschichte müssten wir in Deutschland gleich doppelt gewarnt sein, welch fatale Auswirkungen Überwachung und Kontrolle haben können. Umso mehr bin ich wirklich fassungslos, wie verhalten unsere (regierenden) Politiker reagieren – aber vor allem auch, wie wenig das Thema den allgemeinen Diskurs bestimmt.

Als ich letztes Wochenende an einer Demonstration gegen die Überwachung teilnahm, waren vielleicht gerade 200 Leute dabei. Zugegeben, das Ganze war als Flashmob angekündigt, was dann doch weniger Leute anspricht, bzw. worunter sich weniger Menschen überhaupt etwas vorstellen können, aber Nürnberg hat immerhin eine halbe Millionen Einwohner und auch ein relativ großes Einzugsgebiet. Da hatte ich mir mehr erwartet.
Auch finde ich es schon fast irritierend, wie wenig das Thema von den Piraten aufgegriffen wird. In Nürnberg hingen Plakate der Piraten zur Gustl-Mollat-Demo am gleichen Tag, zu #stopwatchingus habe ich keine gesehen. Dabei tangiert das Ganze ihr Kernthema Transparenz doch deutlich.

Wieso schlägt das Thema so vergleichsweise wenig Wellen?

Grundsätzlich bin ich bestimmt kein Privatsphäre-Paranoiker.
Ganz im Gegenteil. Ich bin der Meinung, dass dadurch, dass wir immer transparenter werden und immer mehr vormals private Details über immer mehr Menschen publik werden, die allgemeine Toleranz gegenüber kleinen Verfehlungen zunimmt. Jugendsünden werden auch als solche wahrgenommen und verbauen nicht, wie von einigen notorischen Schwarzmalern behauptet, das gesamte weitere Leben. Fehler werden in unserer Gesellschaft als Teil eines Lernprozesses akzeptiert und können durchaus wieder gut gemacht werden. Und wenn ich mir meine persönlichen Amazon-Kaufempfehlungen so anschaue, sind die auswertenden Algorithmen noch lange nicht gut genug, um einen deutlichen Mehrwert zu erlangen. Und Amazon beschäftigt mit Sicherheit ähnlich fähige Programmierer wie die NSA.

Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen dem bereitwilligen ins Netz Stellen von Informationen über sich selbst einerseits und dem Anhäufen und Katalogisieren aller Informationen, die man zu einer Person bekommt, durch Dritte andererseits. Sascha Lobo hat hier mal sehr treffend angemerkt (ich glaube es ging um die Vorratsdatenspeicherung, bin mir aber nicht mehr sicher): Das sei wie der Unterschied zwischen sich im Klo einsperren und im Klo eingesperrt werden.
Auch können sich Leute, die glauben, nicht am Internet teilzunehmen – also keine Social Networks verwenden, kein Online-Banking betreiben und wenig per E-Mail kommunizieren – keineswegs sicher vor der Überwachung fühlen. Jeder Dienstleister, den sie beauftragen, jeder Versandhandel (nicht nur Onlineshops) und jede beteiligte Bank nutzen das Internet intensiv. Und da all diese Unternehmen selbst eifrig Daten sammeln wollen, läuft das weit weniger anonymisiert als man hoffen möchte.

Aber der Mensch neigt nun einmal dazu, erst einmal alles zu relativieren und auch zu ignorieren, sobald ihn ein objektiver Blick auf die Situation aus der eigenen Komfortzone zwingen würde. Zeitzeugen des NS-Regimes gibt es kaum noch und die meisten haben sich zu Lebzeiten, ähnlich wie auch meine Großeltern, möglichst wenig zu dem Thema geäußert. Auch bekennende Stasi-Opfer laufen nicht gerade zuhauf herum und so ist das Thema Überwachung für die meisten eher abstrakt. Dabei müsste man sich nur vorstellen, wie es sich anfühlt, über eine längere Zeit pausenlos angestarrt zu werden, denn genau das passiert, wie Marina Weisband in einer Rede so treffend sagte.

PGP und Co

Wer zumindest schon einmal sicherstellen will, dass seine Kommunikation weniger transparent ist – nicht zuletzt auch, um damit zu zeigen, dass man mit der Überwachung nicht einverstanden ist – dem lege ich dringend nahe, sein E-Mail-Programm (wenn das der Browser ist, gibt es auch hierfür PlugIns) für PGP-Ver- und Entschlüsselung einzurichten. Auf dem Mac empfehle ich hierzu GPGTools. Eine deutsche Einweisung in Verschlüsselung am Mac und eine Anleitung für GPGTools findet man hier.
Auf einem Windows- oder Linux-Rechner greift man wahrscheinlich am besten auf Enigmail und Thunderbird zurück. Wer auch hierfür tolle Anleitungen oder andere Software weiß, schreibe bitte einen Kommentar. Ich trage das dann gerne hier nach.

Zum chatten kann man per Jabber (XMPP), mit dem entsprechenden Client, OTR (Off The Record) aktivieren und sich anschließend verschlüsselt unterhalten.

Für das Smartphone gibt es momentan schon Threema das ganz ähnlich funktioniert wie z.B. WhatsApp.
Threema ist allerdings proprietär, eine auf PGP basierende Alternative wurde aber schon angekündigt.

Fazit

Natürlich geht Verschlüsselung nicht gegen das Problem selbst vor, sondern ist nur Symptombekämpfung und riecht damit schon ein wenig nach Kapitulation.
Insofern sollten wir alle demonstrieren gehen und vor allem bei der Wahl, die ja noch dieses Jahr ansteht, deutlich zeigen, hinter welchen Positionen wir stehen.

Vielleicht können wir den Schneeball ja noch stoppen, bevor er zur Lawine wird.

Links

Überwachungsstaat – Was ist das? auf YouTube

StopWatchingEU

Bitte recht freundlich! – Bericht einer Überwachten Person

Hilfestellungen zur Verschlüsselung – Kryptoparty.de

Der Hashtag #stopwatchingus auf Twitter

Fotogalerie zur Nürnberger Demo auf nordbayern.de

Mein öffentlicher PGP Schlüssel

Kategorien Netzpolitik

Kommentare

  1. Thomas Z.

    Denken würde in vielen Fällen helfen. Aber auch das haben alle verlernt. Komfort Zone hin oder her. Früher oder später werden alle sie doch verlassen müssen. Das es um Demokratie, Freiheit und derartige Dinge geht ist den meisten nicht bewußt. Eigentlich kann sich sowieso keiner vorstellen dass dass das mal endet. Hauptsache seine Pferdchen ins trockene bringen. Das aber, wenn es weitergeht auch die Pferdchen weg sind begreift keiner. Verstehen tu ich ich das auch nicht.

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